Sie haben eine Filmidee, ein Exposé, vielleicht sogar ein fertiges Drehbuch. Aber all das nützt nichts, wenn Sie niemanden davon überzeugen können, Ihr Projekt zu finanzieren oder zu produzieren. Genau dafür gibt es den Pitch — die kurze, mündliche oder schriftliche Präsentation Ihrer Geschichte vor Entscheidungsträgern. Pitchen ist eine eigene Disziplin, die mit dem Drehbuchschreiben nur am Rande zu tun hat. Brillante Autoren können miserabel pitchen. Und mäßige Geschichten werden manchmal produziert, weil jemand sie herausragend präsentiert hat. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Filmidee so pitchen, dass sie gehört wird.
Was ist ein Pitch?
Ein Pitch ist die kurze, überzeugende Präsentation einer Filmidee. Er kann mündlich stattfinden — in einem Meeting, auf einem Festival, bei einer zufälligen Begegnung — oder schriftlich, als sogenanntes Pitch-Papier, das per E-Mail an eine Produktionsfirma geschickt wird. In beiden Fällen gilt dasselbe Prinzip: Sie haben wenig Zeit und müssen in dieser Zeit drei Dinge leisten. Sie müssen vermitteln, worum es in Ihrem Film geht. Sie müssen erklären, warum diese Geschichte erzählt werden sollte. Und Sie müssen zeigen, dass Sie die richtige Person sind, um sie zu erzählen.
Der Begriff stammt aus dem Amerikanischen — „to pitch” bedeutet ursprünglich, etwas aufzubauen oder anzupreisen. In der Filmbranche hat sich der Pitch als feste Institution etabliert: Es gibt Pitch-Meetings bei Produktionsfirmen, Pitch-Formate auf Festivals und Pitch-Wettbewerbe bei Förderinstitutionen. In Deutschland ist das Pitching weniger formalisiert als in Hollywood, aber nicht weniger wichtig. Wer seinen Stoff nicht in wenigen Minuten auf den Punkt bringen kann, wird es schwer haben, ihn zu verkaufen.
Die drei Formate: Elevator Pitch, Kurzpitch, Ausführlicher Pitch
Je nach Situation brauchen Sie unterschiedliche Pitch-Formate. Im Idealfall beherrschen Sie alle drei.
Der Elevator Pitch dauert 30 bis 60 Sekunden — so lange wie eine Aufzugsfahrt. Er besteht im Kern aus Ihrer Logline, angereichert mit einem Satz zur Tonalität und einem Satz zu Ihnen als Autor. Der Elevator Pitch ist für zufällige Begegnungen gedacht — auf einem Festival, bei einer Branchenveranstaltung, auf einer Party. Sein einziges Ziel: Interesse wecken. Wenn Ihr Gegenüber danach sagt „Erzähl mir mehr” oder „Schick mir was”, hat der Elevator Pitch funktioniert.
Der Kurzpitch dauert drei bis fünf Minuten. Er wird oft bei Pitch-Events auf Festivals oder bei organisierten Pitching-Sessions eingesetzt. Hier erzählen Sie die Geschichte etwas ausführlicher: Hauptfigur, Ausgangssituation, auslösendes Ereignis, zentraler Konflikt, Eskalation und — anders als beim Elevator Pitch — auch die Auflösung. Produzenten und Fördergremien wollen wissen, wie die Geschichte ausgeht. Wer das Ende verschweigt, wird nicht ernst genommen.
Der ausführliche Pitch dauert 10 bis 20 Minuten und findet in einem persönlichen Meeting statt — mit einem Produzenten, einem Studioboss, einem Redakteur. Hier erzählen Sie die Geschichte im Detail, stellen die Figuren vor, erklären die Thematik und beantworten Fragen. Ein ausführlicher Pitch wird oft von einem Pitch Deck begleitet — einer visuellen Präsentation mit Moodboard, Figurenskizzen und Referenzfilmen.
Die 3-W-Methode
Eine bewährte Struktur für jeden Pitch basiert auf drei Fragen, die alle mit „W” beginnen.
Was erzählt mein Film? Hier geht es um die Geschichte — komprimiert auf den Kern. Wer ist die Hauptfigur? Was passiert? Was steht auf dem Spiel? Erzählen Sie nicht jede Szene, sondern die Drehpunkte: das auslösende Ereignis, die entscheidenden Wendepunkte, den Klimax, die Auflösung. Der Produzent muss nach diesem Teil verstehen, was für einen Film er vor sich hat.
Warum ist diese Geschichte interessant? Hier geht es um den Publikumsappell und die Relevanz. Warum sollte jemand diesen Film sehen wollen? Gibt es einen aktuellen Bezug? Ein universelles Thema? Eine ungewöhnliche Perspektive? Dieser Teil zeigt, dass Sie nicht nur eine Geschichte haben, sondern auch verstehen, warum sie auf den Markt gehört.
Wie strukturiere ich meinen Pitch? Hier geht es um die Präsentation selbst. Welche Form wähle ich? Setze ich ein Pitch Deck ein? Zeige ich ein Moodboard? Beginne ich mit einer Frage, einer Anekdote, einem Bild? Die Form muss zum Inhalt passen — ein Thriller wird anders gepitcht als eine Komödie, ein Arthouse-Drama anders als ein Familien-Abenteuerfilm.
Das Pitch-Papier: Die schriftliche Variante
Nicht jeder Pitch findet mündlich statt. Oft ist der erste Kontakt zu einer Produktionsfirma eine E-Mail — und dann brauchen Sie ein Pitch-Papier. Ein professionelles Pitch-Papier umfasst in der Regel eine bis drei Seiten und enthält folgende Elemente.
Die Logline — ein Satz, der die Geschichte auf den Punkt bringt. Das ist das Erste, was der Empfänger liest. Wenn die Logline nicht funktioniert, wird der Rest nicht gelesen.
Ein kurzer Absatz zur Tonalität und zum Genre: Was für ein Film ist das? An welches Publikum richtet er sich? An welche bestehenden Filme erinnert er?
Eine Zusammenfassung der Geschichte in drei bis fünf Absätzen — von der Ausgangssituation über den Konflikt bis zur Auflösung. Nicht das Exposé kopieren, sondern die Geschichte in einer verdichteten, emotionalen Sprache erzählen, die Lust auf mehr macht.
Ein Absatz über Sie als Autor: Wer sind Sie? Was haben Sie bisher gemacht? Warum sind Sie die richtige Person für diese Geschichte? Keine Autobiografie — drei bis vier Sätze reichen.
Kontaktdaten. Klingt banal, fehlt aber erstaunlich oft.
Das Pitch Deck: Die visuelle Unterstützung
Ein Pitch Deck ist eine visuelle Präsentation, die Ihren mündlichen Pitch begleitet. Es ist besonders bei ausführlichen Pitch-Meetings üblich und kann den Unterschied machen zwischen einem Pitch, der im Gedächtnis bleibt, und einem, der vergessen wird.
Ein gutes Pitch Deck enthält ein Moodboard — eine Sammlung von Bildern, die die visuelle und atmosphärische Identität des Films vermitteln. Es zeigt, wie sich der Film anfühlen soll, ohne dass Sie es in Worte fassen müssen. Dazu kommen Figurenbeschreibungen mit visuellen Referenzen, eine kompakte Zusammenfassung der Geschichte, Angaben zu Genre und Zielgruppe und gegebenenfalls Vergleichsfilme mit deren Erfolg am Markt.
Das Pitch Deck ist kein Ersatz für den mündlichen Pitch — es ist eine Ergänzung. Es soll Bilder liefern, wo Worte nicht reichen. Und es bleibt beim Produzenten liegen, nachdem Sie den Raum verlassen haben.
Die häufigsten Fehler beim Pitchen
Zu lang. Der mit Abstand häufigste Fehler. Wenn Sie fünf Minuten haben und fünfzehn brauchen, haben Sie Ihren Stoff nicht verstanden. Kürzen Sie, bis es wehtut. Ein Pitch muss atmen — aber er darf nicht schwafeln.
Kein Konflikt. Manche Autoren pitchen ihre Geschichte als Abfolge von Ereignissen: „Dann passiert das, und dann passiert das.” Aber ein Pitch braucht Spannung. Wo ist der Konflikt? Was steht auf dem Spiel? Warum sollte es den Zuhörer interessieren? Ohne Konflikt kein Drama, ohne Drama kein Film.
Das Ende verschweigen. In Hollywood wird das „leaving them wanting more” manchmal als Strategie verkauft. In der Realität, und besonders in Deutschland, ist es ein Fehler. Produzenten und Fördergremien investieren kein Geld in Projekte, deren Ausgang sie nicht kennen. Erzählen Sie die Geschichte bis zum Ende.
Sich selbst in den Vordergrund stellen. Ein Pitch handelt von der Geschichte, nicht von Ihnen. Ihre Biografie ist Kontext, nicht Inhalt. Beginnen Sie nicht mit „Ich wollte schon immer einen Film über…” — beginnen Sie mit der Geschichte. Wenn die Geschichte überzeugt, interessiert sich der Produzent auch für Sie.
Keine Vorbereitung auf Fragen. Nach jedem Pitch kommen Fragen — zum Budget, zum Casting, zur Zielgruppe, zu vergleichbaren Filmen. Wer darauf keine Antworten hat, wirkt unprofessionell. Bereiten Sie sich auf mindestens zehn typische Fragen vor und üben Sie die Antworten.
Den falschen Empfänger wählen. Recherchieren Sie, bevor Sie pitchen. Eine Produktionsfirma, die auf Krimiserien spezialisiert ist, wird sich nicht für Ihr Arthouse-Drama interessieren. Ein Sender, der Familienunterhaltung produziert, ist nicht der richtige Ansprechpartner für Ihren Psychothriller. Zielgenauigkeit spart Ihnen Zeit und bewahrt Sie vor unnötigen Absagen.
Wo Sie pitchen können
In Deutschland gibt es verschiedene Formate und Orte, an denen Sie Ihre Filmidee präsentieren können. Die Berlinale hat ein Co-Production Market und ein Talents-Programm, bei denen Nachwuchsautoren ihre Projekte vorstellen können. Das Filmfest München bietet ebenfalls Pitching-Sessions. Das Seriencamp in Köln ist eine wichtige Plattform für serielle Formate. Die Internationalen Hofer Filmtage sind bekannt für ihre offene Atmosphäre und die Möglichkeit, informell mit Produzenten ins Gespräch zu kommen.
Auch Filmförderungen wie das Medienboard Berlin-Brandenburg, die Film- und Medienstiftung NRW oder der FFF Bayern veranstalten Pitch-Events oder laden Autoren zu mündlichen Präsentationen vor den Fördergremien ein. Informieren Sie sich frühzeitig über Termine und Teilnahmebedingungen.
Und nicht zuletzt: Jede Branchenveranstaltung, jedes Festival, jede Premierenfeier ist eine potenzielle Pitching-Gelegenheit. Die meisten Deals in der deutschen Filmbranche entstehen nicht in formellen Meetings, sondern in informellen Gesprächen — an der Bar, beim Mittagessen, auf dem Weg zum nächsten Screening.
Wie geht es weiter?
Pitchen lernt man nur durch Pitchen. Üben Sie Ihren Elevator Pitch, bis Sie ihn im Schlaf können. Testen Sie ihn an Menschen, die Ihren Stoff nicht kennen. Wenn deren Augen leuchten, sind Sie auf dem richtigen Weg. Wenn sie höflich nicken, müssen Sie weiter feilen.
Wenn Sie Ihren Pitch mit professioneller Unterstützung schärfen wollen — ob im Pitch-Training, im Coaching oder in einem Workshop — finden Sie unsere Angebote auf der Seite Drehbuch: Leistungen für Autorinnen & Autoren.
Literatur
Sibylle Kurz: Pitch it! Die Kunst, Filmprojekte erfolgreich zu verkaufen. UVK Verlag, Konstanz 2010. Das deutschsprachige Standardwerk zum Filmpitch — mit Techniken, Übungen und Praxisbeispielen.
Blake Snyder: Save the Cat! The Last Book on Screenwriting You’ll Ever Need. Michael Wiese Productions, Studio City 2005. Snyders Kapitel über die Logline und das „Was ist das?” sind unverzichtbar für jeden Pitch.
Stephanie Palmer: Good in a Room. Currency, New York 2008. Fokus auf den mündlichen Pitch — wie man in einem Meeting überzeugt, von der Vorbereitung bis zur Nachbereitung.
Robert McKee: Storynomics. Twelve, New York 2018. McKees Überlegungen zum Storytelling im Business-Kontext lassen sich direkt auf das Pitchen von Filmideen übertragen.
Pilar Alessandra: The Coffee Break Screenwriter. Michael Wiese Productions, Studio City 2010. Enthält kompakte Übungen zum Pitchen und Zusammenfassen von Filmgeschichten.
Weiterführende Links
Filmpuls: Filmpitch — Erfolgreich mit der 3-W-Methode — Ausführlicher Praxisartikel über die Struktur und Vorbereitung eines Filmpitchs.
Indiefilmtalk: Gedanken zum Pitchen von Filmprojekten — Praxisnahe Überlegungen mit Tipps zu Moodboards, Synopsis und Pitch-Struktur.
Filmlexikon Uni Kiel: Pitching — Wissenschaftliche Definition und Einordnung des Pitching-Begriffs in der Filmproduktion.
Wikipedia: Pitch (Filmproduktion) — Grundlegende Informationen zu Herkunft, Funktion und Formaten des Filmpitchs.