Deutschland hat eines der besten Fördersysteme für Film und Fernsehen weltweit. Autoren in den USA, in Großbritannien oder Frankreich können davon oft nur träumen. Was viele Drehbuchautoren nicht wissen: Sie müssen nicht warten, bis ein Produzent Ihren Stoff optioniert. Es gibt öffentliche Gelder, die speziell für die Entwicklung von Treatments und Drehbüchern bereitstehen — als nicht rückzahlbare Zuschüsse. Dieser Artikel gibt einen Überblick über alle relevanten Fördermöglichkeiten für Drehbuchautoren in Deutschland, auf Bundes- und Landesebene.
Wie Drehbuchförderung funktioniert
Das Prinzip ist einfach: Sie beantragen bei einer Förderinstitution öffentliche Mittel für die Entwicklung Ihres Drehbuchs. Über den Antrag entscheidet ein Fachgremium — bestehend aus Branchenprofis wie Dramaturgen, Produzenten, Autoren oder Redakteuren. Wenn Ihr Stoff überzeugt, erhalten Sie einen Zuschuss, der Ihren Lebensunterhalt während der Schreibphase sichern soll. Es handelt sich nicht um ein Honorar und nicht um einen Kredit — das Geld muss nicht zurückgezahlt werden.
Die Förderung ist in der Regel an bestimmte Voraussetzungen geknüpft: Sie müssen Ihren Wohnsitz in Deutschland haben, das Drehbuch muss deutschsprachig sein und für einen programmfüllenden Film gedacht sein (in der Regel mindestens 79 Minuten). Manche Förderstellen verlangen, dass bereits ein Produzent an dem Projekt beteiligt ist. Andere fördern auch Autoren ohne Produktionsfirma.
Die Förderung erfolgt stufenweise. Typischerweise gibt es eine Treatmentförderung (für die Entwicklung einer Idee zum Treatment) und eine Drehbuchförderung (für die Entwicklung vom Treatment zur ersten Drehbuchfassung). In manchen Programmen folgt eine dritte Stufe: die Fortentwicklung, in der das Drehbuch zur produktionsreifen Fassung weiterentwickelt wird.
Förderung auf Bundesebene
FFA — Filmförderungsanstalt
Die FFA ist die zentrale Filmfördereinrichtung des Bundes. Sie fördert Kinofilme in allen Phasen — von der Drehbuchentwicklung über die Produktion bis zum Verleih. Seit 2024 führt die FFA auch die jurybasierte kulturelle Filmförderung des BKM durch.
Für die Treatmentförderung stehen bis zu 15.000 Euro zur Verfügung, zuzüglich bis zu 2.500 Euro für Beratungsleistungen wie dramaturgische Beratung oder Sensitivity Reading. Die Drehbuchförderung ist zweistufig: In der Grundförderung (Phase 1) erhalten Autoren bis zu 20.000 Euro für die Entwicklung einer ersten Drehbuchfassung. In der Fortentwicklung (Phase 2) stehen weitere 20.000 Euro bereit — insgesamt also bis zu 40.000 Euro. Zusätzlich können bis zu 10.000 Euro für begleitende Beratungsleistungen beantragt werden.
Wichtig: Einen Antrag auf Drehbuchförderung können Autoren nur dann allein stellen, wenn bereits zwei Kinoproduktionen nach ihrem Drehbuch verfilmt und in europäischen Kinos ausgewertet wurden. Wer diese Bedingung nicht erfüllt, muss den Antrag gemeinsam mit einem Produzenten einreichen, der mindestens einen ausgewerteten Kinofilm vorweisen kann. Die Förderjury tagt bis zu viermal im Jahr.
BKM — Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
Die kulturelle Filmförderung der BKM richtet sich an Drehbuchautoren, die ein Drehbuch von künstlerischer Qualität für einen programmfüllenden Spielfilm entwickeln wollen. Die Förderung wird als nicht rückzahlbarer Zuschuss gewährt.
Die Fördersumme beträgt bis zu 30.000 Euro, in begründeten Ausnahmefällen bis zu 50.000 Euro. Die Grundförderung (bis zu 15.000 Euro) deckt die Erstellung einer ersten Drehbuchfassung. Die anschließende Fortentwicklungsförderung (bis zu 15.000 Euro) setzt voraus, dass ein Hersteller die ernsthafte Absicht der Verfilmung nachweist. Der Antrag wird online über das FFA-Serviceportal gestellt. Es gibt in der Regel drei Einreichfristen pro Jahr. Die Bearbeitungsdauer zwischen Antragstellung und Entscheidung beträgt acht bis zehn Wochen.
Eine Besonderheit der BKM-Förderung: Geförderte Autoren arbeiten während der Drehbuchentwicklung mit einer von der BKM beauftragten Autorenberatungsstelle zusammen — dem sogenannten Drama Department. Diese dramaturgische Begleitung ist Teil des Förderprogramms.
Kuratorium junger deutscher Film
Seit Januar 2026 ist das Kuratorium junger deutscher Film (KjdF) die zentrale Institution für die Talentfilmförderung in Deutschland. Die Verantwortung für die Talentfilmförderung ist im Rahmen einer Kooperation zwischen KjdF und BKM vollständig auf das Kuratorium übergegangen. Das Budget beträgt über neun Millionen Euro.
Das Kuratorium fördert insbesondere Erst- und Zweitfilme — also Projekte von Autoren und Regisseuren, die am Anfang ihrer Karriere stehen. Die Förderung umfasst Drehbuch-, Produktions- und Kurzfilmförderung. Für Autoren ohne abgeschlossenes Filmhochschulstudium kann das Kuratorium eine wichtige Alternative zu den klassischen Förderwegen sein.
Förderung auf Landesebene
Neben der Bundesförderung gibt es in jedem Bundesland eigene Filmförderinstitutionen. Die Landesförderungen sind oft niedrigschwelliger als die Bundesförderung — und für viele Autoren der realistischere Einstieg. Hier die wichtigsten im Überblick.
Das Medienboard Berlin-Brandenburg ist mit einem jährlichen Fördervolumen von rund 30 Millionen Euro eine der größten Landesförderungen. Es fördert Drehbuch- und Stoffentwicklung, Produktion und Verleih. Für Autoren mit Sitz in Berlin oder Brandenburg ist das Medienboard der naheliegendste Ansprechpartner.
Die Film- und Medienstiftung NRW gehört ebenfalls zu den großen Landesförderungen. Sie fördert Drehbuchentwicklung mit Zuschüssen und hat einen eigenen Schwerpunkt auf innovatives Erzählen und Serien.
Der FilmFernsehFonds Bayern (FFF Bayern) fördert Drehbücher mit Zuschüssen von bis zu 30.000 Euro. Die Voraussetzung ist in der Regel ein bayerischer Bezug — entweder durch den Wohnsitz des Autors oder durch den Drehort.
Die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) fördert Drehbücher für Kino- und Fernsehproduktionen. Die Fördersummen liegen je nach Projekt zwischen 10.000 und 30.000 Euro.
Die Mitteldeutsche Medienförderung (MDM) deckt Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ab. Sie fördert Stoffentwicklung und Drehbücher mit einem regionalen Schwerpunkt.
Die Nordmedia in Niedersachsen und Bremen, die FFHSH (Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein), die Hessische Filmförderung und die Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern ergänzen das Bild. Jede Landesförderung hat eigene Richtlinien, Fristen und Schwerpunkte — es lohnt sich, die jeweiligen Websites genau zu studieren.
Was Sie für einen Förderantrag brauchen
Die genauen Anforderungen unterscheiden sich je nach Förderstelle, aber einige Elemente tauchen fast überall auf.
Ein Treatment oder Exposé Ihres Stoffes ist die Grundlage jedes Antrags. Die Geschichte muss so weit entwickelt sein, dass ein Gremium beurteilen kann, ob der Stoff Potenzial hat. Für eine Drehbuchförderung wird in der Regel ein vollständiges Treatment erwartet, für eine Treatmentförderung genügt ein ausführliches Exposé.
Eine einseitige Inhaltsangabe fasst die Geschichte in komprimierter Form zusammen. Dazu kommt häufig eine Logline.
Eine Dialogszene in deutscher Sprache zeigt, dass Sie nicht nur konzeptionell, sondern auch handwerklich arbeiten können. Manche Förderstellen verlangen eine ausgearbeitete Szene von fünf bis zehn Seiten.
Angaben zu Ihrem beruflichen Werdegang, eine Filmografie (falls vorhanden) und eine Motivation, warum Sie diese Geschichte erzählen wollen, gehören ebenfalls zum Antrag.
Bei manchen Förderstellen — insbesondere der FFA — muss ein Produzent als Mitantragsteller benannt werden. Bei anderen, wie der BKM-Drehbuchförderung, können Autoren auch ohne Produzenten einreichen, müssen aber für die Fortentwicklungsförderung nachweisen, dass eine Produktionsfirma Interesse am Stoff hat.
Tipps für einen erfolgreichen Förderantrag
Die Gremien lesen Dutzende bis Hunderte Anträge pro Sitzung. Was zählt, ist ein überzeugender Stoff — aber die Art, wie Sie ihn präsentieren, spielt ebenfalls eine Rolle.
Investieren Sie Zeit in Ihr Treatment. Es ist das Herzstück des Antrags. Ein Treatment, das dramaturgisch nicht funktioniert, wird von keinem Gremium positiv bewertet — egal wie originell die Grundidee ist. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Treatment reif für einen Antrag ist, lohnt sich professionelles Feedback vor der Einreichung.
Recherchieren Sie, welche Förderstelle zu Ihrem Stoff passt. Nicht jede Förderung ist für jedes Projekt geeignet. Ein experimenteller Arthouse-Film hat bei der BKM bessere Chancen als bei einer Landesförderung, die stärker auf wirtschaftliche Verwertbarkeit achtet. Ein Kinderfilm hat beim Kuratorium junger deutscher Film bessere Karten als bei der FFA.
Achten Sie auf die Fristen. Die meisten Förderstellen haben feste Einreichtermine — wer zu spät einreicht, muss bis zur nächsten Runde warten. Das kann Monate kosten.
Lassen Sie sich nicht entmutigen. Die Ablehnungsquote ist hoch. Viele sehr gute Stoffe werden beim ersten Anlauf nicht gefördert. Das bedeutet nicht, dass der Stoff schlecht ist — es bedeutet, dass die Konkurrenz groß ist und die Mittel begrenzt sind. Überarbeiten Sie Ihren Antrag, nutzen Sie das Feedback des Gremiums (manche Förderstellen geben kurze Begründungen) und reichen Sie erneut ein.
Förderung und Coaching kombinieren
Was viele Autoren nicht wissen: Einige Förderprogramme erlauben es ausdrücklich, einen Teil der Fördersumme für Beratungsleistungen einzusetzen. Die FFA beispielsweise gewährt zusätzlich zur Drehbuchförderung bis zu 10.000 Euro für dramaturgische Beratung, Sensitivity Reading oder die Teilnahme an Script Circles. Das bedeutet: Sie können die Förderung nutzen, um gleichzeitig professionelles Coaching oder ein Lektorat zu finanzieren.
Wenn Sie Unterstützung bei der Vorbereitung eines Förderantrags suchen, Ihr Treatment auf Antragstauglichkeit prüfen lassen wollen oder während der geförderten Drehbuchentwicklung dramaturgische Begleitung brauchen — finden Sie unsere Angebote auf der Seite Drehbuch: Leistungen für Autorinnen & Autoren.
Literatur
Peter Zimmermann, Kay Hoffmann (Hrsg.): Dokumentarfilm in Deutschland — Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung. Bonn 2015. Enthält umfassende Informationen zur Förderlandschaft, auch für fiktionale Stoffe relevant.
Dennis Eick: Exposé, Treatment und Konzept — Die Vorstufen zum Drehbuch. UVK Verlag, Konstanz 2006. Zeigt, wie Sie Ihre Einreichungsdokumente so aufbereiten, dass sie Fördergremien überzeugen.
Eckhard Wendling: Filmproduktion — Eine Einführung in die Produktionsleitung. UVK Verlag, Konstanz 2012. Erklärt die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Filmförderung aus Produzentensicht.
Syd Field: Screenplay — The Foundations of Screenwriting. Delta, New York 2005. Die dramaturgischen Grundlagen, die jedes Fördergremium als selbstverständlich voraussetzt.
Oliver Schütte: Die Kunst des Drehbuchlesens. UVK Verlag, Konstanz 2009. Zeigt, nach welchen Kriterien professionelle Lektoren und Gremien Stoffe bewerten.
Weiterführende Links
FFA: Jurybasierte Drehbuchförderung Spielfilm — Alle Informationen zur Drehbuchförderung auf Bundesebene, Förderrichtlinien und Antragstool.
FFA: Kulturelle Filmförderung der BKM — Übersicht über die kulturelle Filmförderung des Bundes, die von der FFA administriert wird.
Kuratorium junger deutscher Film: Talentfilmförderung — Informationen zur Förderung von Erst- und Zweitfilmen, Budget und Einreichtermine.
Was kostet ein Drehbuch? — Überblick zu Honoraren, Vergütungsmodellen und Vertragsgestaltung in der deutschen Filmbranche.
Medienboard Berlin-Brandenburg — Die Förderinstitution für Berlin und Brandenburg mit Informationen zu Stoffentwicklung und Drehbuchförderung.